Dieser Beitrag richtet sich an Auftraggeber, die zum ersten Mal einen Grafikdesign-Auftrag vergeben wollen.

Wie können Sie den Grafikdesign-Auftrag vorbereiten?

Viele Auftraggeber kommen ins Schwitzen, wenn sie zum ersten Mal einen Grafikdesigner benötigen. »Was kommt da auf mich zu? Wofür gebe ich mein Geld aus? Was bekomme ich für mein Geld? Was tun, wenn mir das Ergebnis nicht gefällt?«

Was kommt da auf mich zu?

Manche denken, ein Grafikdesigner ist ein Künstler, der nur seine eigenen Vorstellungen lebt und ein Feuerwerk verrückter Einfälle abbrennt. Aber das stimmt nicht. Der Grafikdesigner ist ein Dienstleister, der seine Kunden berät, etwas für sie entwirft und es dann handwerklich umsetzt.

Grafikdesign ist eine Dienstleistung

Nehmen wir als Beispiel das Corporate Design. Es ist die Gesamtheit des optischen Erscheinungsbildes, inklusive aller Werbemittel. Alles sollte zusammen passen und eine harmonische Einheit bilden. Man kann den Grafikdesigner mit einem Maßschneider vergleichen. Er liefert Ihnen keinen Anzug von der Stange, sondern individuelle Maßarbeit. Er fragt Sie nach Ihren Wünschen. Für welche Gelegenheit brauchen Sie den Anzug? Welches Erscheinungsbild wollen Sie pflegen? In welchem Stoff fühlen Sie sich wohl?

Der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Viele Leute denken, der Schneider wird schon wissen, was sein Kunde braucht. Und der Kunde muss sich nach ihm richten – auch wenn es ihn Überwindung kostet. Das ist ein Irrtum. Der Kunde muss sich in seinem Anzug wohl fühlen. Sonst macht er keine gute Figur. Und das Gleiche gilt für sein Corporate Design. Es ist der »Anzug« seiner Firma und muss nicht nur seine Kunden ansprechen, sondern auch ihn und seine Mitarbeiter. Ein gutes Corporate Design wirkt nicht nur nach außen sondern auch nach innen.

Sie bestimmen die Richtung

Wenn Sie zum Maßschneider gehen, dann haben Sie meistens schon eine Vorstellung, was Ihnen gefällt. Sie haben Ausschnitte aus Modezeitungen dabei, die Sie dem Schneider zeigen. Damit er eine Vorstellung bekommt, was Ihnen zusagt. Der Schneider wird Sie beraten, bevor er loslegt. Er wird Ihnen sagen, welcher Schnitt zu Ihnen passt, welche Farben Ihnen stehen, welche Stoffe pflegeleicht sind und wie viel sie kosten. Am Ende ist es Ihre Entscheidung, was Sie in Auftrag geben. Das ultimative und allein seligmachende Outfit gibt es nicht. Es gibt immer mehrere Wege zum Ziel.

Sammeln Sie Beispiele, die Ihnen gefallen

Beim Grafikdesigner ist es genauso. Bringen Sie ihm Beispiele mit, die Sie gesammelt haben – Anzeigen, Visitenkarten, Broschüren, Prospekte etc. Zeigen Sie ihm, was Ihnen gefällt. Und zeigen Sie ihm auch, was Ihnen gar nicht gefällt. Bringen Sie ihm zusätzlich die Werbung Ihrer Konkurrenten mit, von der Sie sich abheben wollen. All diese Beispiele helfen dem Grafikdesigner, die Aufgabe einzugrenzen und Ihren Auftrag effizient, zeit- und kostensparend zu bearbeiten.

Strategische Überlegungen

Der Grafikdesigner wird Ihnen Fragen zu Ihrer Firma und Ihrem Angebot stellen. Dabei wird er auch schon einen Schritt weiter denken. Ist der aktuelle Auftrag nur der Beginn einer Reihe, die später fortgesetzt und erweitert werden soll? Wenn der Auftrag zum Beispiel eine Buchgestaltung ist, dann sollte man überlegen, ob später Folgebände hinzu kommen. Eine Serie muss anders geplant werden als ein Einzelstück. Das gilt auch für Warensortimente und für Firmen mit mehreren Geschäftsbereichen.

Auch die eigene Positionierung im Markt sollte vor Beginn des Designprozesses festgelegt sein. Stellen Sie sich schon vorab diese Fragen:
– Wer sind meine potenziellen Kunden und wo sitzen sie?
– Mit welchem Werbemittel erreiche ich sie am besten?
– Wie hebe ich mich von meinen Konkurrenten ab? Sind meine Waren preiswerter? Besser? Schneller verfügbar?

Machen Sie sich darüber Gedanken und Notizen, bevor Sie den Grafikdesigner beauftragen.

Nicht alles auf einmal

Damit bei einem Grafikdesign-Auftrag die Zeit und die Kosten nicht explodieren, unterteilt man die Arbeit in mehrere Schritte. Am Anfang stehen Skizzen, mit deren Hilfe Sie die Richtung festlegen, in der der Grafikdesigner arbeitet. Hier passt sich der Designer Ihren Wünschen an. Wie ausgefeilt brauchen Sie die Entwürfe? Schnelle Bleistift- und Markerskizzen erfordern Phantasie und Abstraktionsvermögen, sind aber deutlich zeit- und kostensparender als fotorealistisch ausgearbeitete Entwürfe.

Sobald Sie Ihren Favoriten gefunden haben, macht sich der Grafikdesigner an die Ausarbeitung. Wenn erforderlich, bespricht er technische Einzelheiten direkt mit Ihrer Druckerei oder Ihren sonstigen Dienstleistern und Lieferanten. Das hilft, Fehler und Umwege zu vermeiden. Oftmals können auch die weiter verarbeitenden Betriebe konstruktive Vorschläge machen; zum Beispiel zur Kostenreduktion. Nach Absprache mit Ihnen kann der Grafikdesigner die Reinzeichnungen dann entsprechend anpassen.

Der Grafiker als Änderungsschneider

Sie können einen Grafiker nicht nur für ein komplett neues Design beauftragen. Auch Änderungen oder Ergänzungen eines bestehenden Designs gehören zu seinem Aufgabengebiet. Wenn zum Beispiel ein Firmensignet etwas modernisiert werden soll, aber seinen Wiedererkennungswert behalten muss. Oder wenn ein bestehendes Design passend ergänzt werden soll. Der Grafiker ist dafür ausgebildet, sich in bestehende Gestaltungsvorgaben einzuarbeiten und sie auf ergänzende Arbeiten zu übertragen.

Grafikdesign ist nicht nur Gestaltung, sondern auch Handwerk

Selbst wenn Sie bereits bis ins Detail alles selbst geplant haben und statt eines Gestalters »nur« einen ausführenden Handwerker benötigen, können Sie den Grafikdesigner damit beauftragen. Grafikdesign besteht zu mehr als der Hälfte aus Handwerk.

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit meinen Ausführungen die Arbeit des Grafikdesigners näher bringen und Ihnen helfen, Ihren Auftrag gut vorzubereiten, so dass Sie Zeit und Kosten sparen können.

Bildbeispiel: Haarstudio Sarah, 55234 Hangen-Weisheim, Inhaberin: Sarah Schipp.